Die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Vacha
Der Großbrand 1878
Großbrand 1878
Es war Sonntag, der 1. September 1878. Am nächsten Tag wollte man das "SEDAN-Fest", zum Gedenken an den Sieg über die französische Hauptarmee im Deutsch-Französischem Krieg 1870/71 feiern. Ein Fackelzug der Schuljugend am Vorabend gehörte dazu. Allerdings dürfte den Vächern das Feiern vergangen sein, denn unmittelbar nachdem sich der Zug aufgelöst hatte, begann es im "Oestischen Gute" zu brennen. Eine genaue Brandursache ist in den alten Unterlagen nicht beschrieben, aber der Zusammenhang mit dem Fackelzug ist offensichtlich.
Der Brandherd lag in der Mitte des Steinwegs etwa an der Stelle, an der jetzt das inzwischen leerstehende Krankenhaus steht. Ein kräftiger Süswestwind trieb das Feuer rasend schnell in Richtung Sandweg und Markt.
Die dicht aneinander stehenden Häuser und Nebengebäude, die damals nicht gerade brandhemmend gebaut waren, förderten die Brandausbreitung. Feuerboten alarmierten in den umliegenden Orten bis nach Geisa  die Löschkräfte. Sie kamen auch alle, konnten aber mit ihrer, aus heutiger Sicht recht dürftigen Ausrüstung und Ausbildung nicht viel ausrichten. Immerhin sollen die Philippsthaler Feuerleute an der Rettung der "Widemark", dem heutigen Wahrzeichen unserer Stadt, entscheidenen Anteil gehabt haben. Danken wir es Ihnen nachträglich.

Die Bilanz war, wie auch nachstehendes Foto und die Karte zeigen verheerend.

Von den 262 Wohnhäusern der Stadt -heute sind es 694- waren vorwiegend im Bereich Steinweg, Sandweg, Wackergasse, Wiedemarkterstraße und Teilen der Turm- und Schulstraße etwa 1/3 (78 Wohnhäuser) und 169 Nebengebäude zerstört. Kaum zu glauben, dass keine Menschenleben oder Schwerverletzte zu beklagen waren. (siehe auch: "Vacha, Geschichte und Geschichten" von Günther Hermes)
Leider sagen die alten Schriften wenig, wie die Betroffenen die Folgezeit verbrachten. Es gab keine Säle und Turnhallen zur vorübergehenden Unterbringung, keine Versicherung und keinen Staat, der Geld zur Verfügung stellte. Sie waren auf die Solidarität ihrer Mitbürger angewiesen.
Erste Hilfe brachte eine Spendenaktion. Viele Opfer kamen bei Verwandten und Bekannten unter. Einige sollen, einem Trend aus dem benachbarten Hessen folgend, nach Amerika ausgewandert sein. Die Übrigen hielten sich aber offenbar mit Jammern nicht lange auf und begannen mit dem Wiederaufbau und das ohne LKW, Bagger und Kräne.
Die Technik vor 1880
Die richtigen Schlussfolgerungen
Schon etwa 2 Monate später reifte bei einigen die Erkenntnis, dass nur mit einer straffen Organisation, besseren Gräten und einer gründlichen Ausbildung der Mannschaften solche Katastrophen zu beherrschen seien. Natürlich bekämpfte man auch vorher schon Brände.

Zitieren wir aus "Feuerlösch-Regeln für Jedermann" von 1862:

"Als Löschmittel hat man auch schon Milch empfohlen und angewendet; wir glauben, dass Milch besser löscht als Wasser... nur dürfte Milch selten in gehöriger Menge zu beschaffen sein."

Zuständig für die Brandbekämpfung waren die Gemeindevorstände. Alle geeigneten Männer wurden zur Mithilfe verpflichtet. Es gab in Vacha auch schon zwei mit Muskelkraft zu betätigende "Spritzen". Die größte Schwierigkeit dürfte aber die "Wasserversorgung", wie es im heutigen Feuerwehrdeutsch heißt, bereitet haben.
Am 16. Dezember 1878 beschlossen 16 Vachaer Bürger, offenbar auf Initiative des Architekten Chr. Groß, die Gründung einer "Freiwilligen Feuerwehr". Interessant sind die Berufe der Gründungsmitglieder: 6 Kaufmänner, 6 Handwerksmeister, 1 Fabrikant, 1 Lehrer und ein Briefträger. Bereits drei Jahre später (1881) wurden allerdings die durchaus positiven Bemühungen durch ein Gesetz über das "Feuerlöschwesen im Großherzogtum Sachsen- Weimar- Eisenach" eingeholt.
© Freiwillige Feuerwehr Vacha e. V. • Design by PC-Systems